
Der Fotograf Hannes Reisinger
Thaya ist eine kleine Gemeinde im niederösterreichischen Waldviertel. Sie hat trotzdem eine Menge zu bieten. So ist das Museum einen Besuch wert, zumal zur Zeit Fotos von Hannes Reisinger einen liebevollen Blick auf die Thayinger werfen.
Als wir zur Ausstellungseröffnung von Hannes Reisinger kommen, trauen wir unseren Augen nicht, und zugegeben, wir sind neidisch. Denn vor dem Museum in Thaya drängeln sich die Menschen. Hundert, nein viel mehr sind gekommen. Der Bäcker bietet seine Spezialitäten an, Wein wird ausgeschenkt, ein fröhliches Treiben. Der Fotograf, aus Thaya stammend, jetzt in Wien zu Hause, begrüßt jeden Einzelnen.
Dann kommen die Reden. Kurz, prägnant und kompetent. Die Museumsleiterin, der Bürgermeister und dann der Direktor des Landesmuseums Niederösterreich, Carl Aigner. Er betont, wie wichtig hochkarätige Kultur nicht nur in den Zentren, sondern auch in den ländlichen Regionen sei. „Kultur macht fit“, rief er. Mit Hannes Reisinger habe man einen Fotografen in seine Heimat geholt, der den besonderen Blick habe. Den besonderen Blick für die Menschen im Waldviertel. Denn diese lichtete er in den vergangenen 38 Jahren ab. „Rückblicke“ heißt deshalb auch die Ausstellung.
Die Fotos zeigen eine ganz reale Welt, hinter jedem Porträt verbirgt sich eine eigene Erzählung ebenso wie die Identität eines Menschen. Und so darf sich jeder Betrachter die Frage stellen: Wer ist das? Und der Fotografierte wird sich fragen: Wie sieht er mich, wer bin ich?
Aus jeder Identität erwächst schließlich eine Beziehung, zu anderen Personen, aber auch zu der
Landschaft.
Thaya liegt nördlich von Waidhofen im reizvollen Thayatal, einer Landschaft, die zum Wandern und Genießen nachgerade einlädt. Aber diese Gegend ist auch geschichtsträchtig, eine mittelalterliche Siedlung im Harthwald legt Zeugnis ab. Im Museum, dem ältesten Haus der Gemeinde, kann sich der Besucher über die Siedlung, die bedeutenden Funde, insbesondere Münzen, den Handel, das Handwerk, Landwirtschaft, aber auch künstlerische Zeugnisse informieren.
So wird eine Keramikfigur auf die Zeit nach 1350 datiert.
Zusätzlich zur Dauerausstellung aber finden immer wieder im Erdgeschoss Sonderausstellungen statt. Jetzt also bis zum 30. September die Fotos von Hannes Reisinger. Die Porträts zeigen, wie genau der Fotograf seine Waldviertler kennt und beobachtet. Jedes einzelne ist zugleich eine Landschaft, in der der Betrachter Identität des Einzelnen und Emotionen, aber auch Selbstbewusstsein dieser Menschen vorfindet, ganz gleich, ob es der Landwirt, der Musiker, das Kind oder der Greis ist. Einen Jeden hat Reisinger in das zu ihm gehörige Licht gestellt und dann auf den richtigen Moment gewartet.
So sind die Fotos Zeitzeugnisse von hohem künstlerischem Wert, die auch Nicht-Waldviertler berühren, weil sie hier einen Blick hinter die Kulissen werfen dürfen. Auf die wirklichen Gesichter von Menschen, ungeschminkt, wahrhaftig, zufrieden.
Text: Monika Gierth
Foto: Petra Kurbjuhn
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